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Relevante Gehirnregionen


In der folgenden Tabelle finden Sie eine Übersicht über relevante Gehirnregionen, deren Funktionen und Anwendungsfelder im Rahmen von Neuroleadership.



Amygdala


Basalganglien


Lateraler
präfrontaler Kortex


Anteriorer
cingulärer
Kortex (ACC)


Orbitaler &
ventromedialer
Frontalkortex (OFC bzw. VMFC)

Funktion

Detektion und
Erlernen von
potentiellen
Gefahren

Registrierung von
Belohnung & Erwerb von Gewohnheiten

Abruf und Speicherung
von seman-tischem
Emotionswissen

Konflikt-Überwachung

Kontext-abhängige Handlungsplanung

Anwendung

Erkennt erregende,
potentiell bedroh- liche Stimuli &
assoziiert sie mit entsprechenden
physiologischen- und Handlungsreaktionen

Automatische
Sequenz von
Handlungen /
Gedanken, die
sich als konsistent
verstärkend
erwiesen haben

Identifizierung und
Differenzierung
von Stimuli und Gefühlen;
Attribuierung
emotionaler Qualitäten auf Stimuli;
Anwendung von
Regulations-
strategien und Emotionswissen

Überwachung
des ablaufenden Verhaltens und
Entscheidung,
ob Veränderung
nötig ist

Kontextabhängige
Regulierung &
Inhibierung von
Emotionsreaktionen
basierend auf
Bedeutungs­analysen

Prozesstyp

automatisch

automatisch,
benötigt aber
Aufmerksamkeit

Abruf kann
automatisch

Konfliktdetektion
automatisch,

Kontrolliert

 

 

oder kontrolliert
erfolgen

Veränderungs­-
initiierung
kontrolliert

 

 

Zusammenfassend lässt sich der Ablauf emotionaler Episoden aus Sicht der Neurowissenschaften wie folgt skizzieren:

  • Gewöhnlich springen die automatischen Prozesse auf emotional relevante Stimuli hin unbewusst an, Amygdala und Basalganglien evaluieren externalen und internalen Input auf zu erwartende Bedrohung oder Belohnung.
  • Wird Gefährdung detektiert, assoziiert die Amygdala unmittelbar den Reiz mit einer einzuleitenden Reaktion (Vermeidung, Flucht), sie stellt also den Kern des von Bradley et al. so bezeichneten emotionalen „Withdrawal“- oder „Avoidance“-Motivationssystem dar.
  • Falls der Stimulus jedoch eine Belohnung verspricht, generieren die Basalganglien die Sequenz aus Gedanken und Handlungen, die in der Vergangenheit erfolgreich zur Er­langung der durch das mesolimbische Dopaminsystem vermittelten Belohnung oder Verstärkung geführt haben, und stellen mit diesem somit die Basis des von Bradley et al. postulierten emotionalen „Approach“-Motivationssystem dar.
  • Mithilfe des präfrontalen Kortex wird nun weiter automatisch semantisches Wissen über das identifizierte Objekt, auf das die Emotion nun gerichtet wird, abgerufen.
  • Meldet der ACC im weiteren Verlauf sodann die Notwendigkeit, einzugreifen, beginnen die kontrollierten oder bewussten emotionalen Verarbeitungsprozesse, für deren erlebte Intensität und Bewusstheit das ACC und die Insula von Bedeutung sind. Diese kontrollierten Prozesse verwenden die von OFC und VMFC durchgeführten Bewertungen und Analysen, um zusammen mit dem emotionalen Wissen des präfrontalen Kortex die auto­matisch in Gang gesetzten emotionalen Reaktionen zu modulieren, neu zu bewerten und zu regulieren.
Quelle: vgl. Bradley, M.M./Codispoti, M./Cuthbert, B.N. et al.: 2001, pp. 276-298