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Konsistenz, Kongruenz und Motivationale Schemata


(1) Grundlagen

Menschliches Handeln erfolgt zielgerichtet und dient der Befriedigung von Grundbedürfnissen – von Bedürfnis­sen also, die allen Menschen gemein und nicht veräußerbar sind.

Wie bereits skizziert, betrachtet Grawe im Rahmen der Konsistenztheorie das psychische Funktionieren von Menschen im Kontext der Befriedigung von Grundbedürfnissen. Die Grundbedürfnisse werden im Zuge der in­dividuellen Entwicklung ausdifferenziert und in individuelle motivationale Ziele operationalisiert. Die Annähe­rung an diese Ziele ist verbunden mit dem Erleben positiver Emotionen und steht in engem Zusammenhang mit Gesundheit und Leistungsfähigkeit, wie sich wie folgt erklären lässt:

  • Die Wahrnehmung, motivationale Ziele nicht oder nur ungenügend umsetzen zu können, wird von Grosse Holtforth & Grawe als motivationale Inkongruenz bezeichnet: Unter Inkongruenz wird folg­lich die unzureichende Umsetzung motivationaler Ziele in Interaktion mit der Umwelt verstanden. Das Streben nach Kongruenz ist Teil des am weitesten übergeordneten Prinzips des psychischen Funktio­nierens, nämlich des Strebens nach Konsistenz der psychischen Prozesse.
  • (In-)Kongruenz wird somit nicht direkt in Bezug auf den Grad der aktuellen Bedürfnisbefriedigung er­fasst, sondern in Bezug auf die jeweilige individuelle „Übersetzung“ dieser Bedürfnisse in Ziele, als ein Auseinanderklaffen motivationaler Ziele als Ausdruck der Bedürfnisse und der wahrgenommenen Rea­lität, die diese Bedürfnisse nicht befriedigt.
  • Um Bedürfnisse befriedigen zu können, bilden Menschen im Laufe ihrer Lerngeschichte nicht nur motiva­tionale Ziele aus (quasi als individuelle Operationalisierung der Bedürfnisse), sondern sie erwer­ben auch Mittel zur Zielverfolgung. Jeweils in Abhängigkeit ihrer individuellen Voraussetzungen und der Voraussetzungen ihrer Umwelt erlernen Menschen Fertigkeiten, die ihnen – in bestmöglicher An­passung an ihre Umwelt – erlauben, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen und Verletzungen dieser zu vermeiden.
  • Diese Fertigkeiten können als Ressourcenpotentiale bezeichnet werden. Die aktive Nutzung von Res­sourcen dient also dem Zweck, Wahrnehmungen im Sinne der Grundbedürfnisse zu machen. Das Ausmaß, in dem Ressourcen aktuell realisiert werden, kann somit ein Maß für das aktuelle Kongruenzerleben im Hinblick auf die Grundbedürfnisse angesehen werden.

Zusammengefasst bedeutet dies folgendes:

  • Konsistenz hängt von motivationaler Kongruenz ab.
  • Je stärker die motivationale Kongruenz bei Menschen ausgeprägt ist, desto besser die Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
 

Quelle: Grosse Holtforth/Grawe: 2003

 

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