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Individuelle Voraussetzungen von Neuroleadership - die Konsistenztheorie


Motivationale Schemata

Grawe grenzt Annäherungs- von Vermeidungsschemata voneinander ab, die als unterschiedliche Strategien zur Befriedigung der Grundbedürfnisse verstanden werden können.

Unter Annäherungsschemata werden dabei "Handlungstile" verstanden, die aktiv auf das Herbeiführen befriedigender Erfahrungen ausgelegt sind, wohingegen Vermeidungsschemata zum Schutz vor die eigenen Bedürfnisse verletzenden Erfahrungen dienen. Vermeidungsschemata stellen keinen direkten Gegensatz zu Annäherungsschemata dar, da letztere auf eine Maximierung der Bedürfnisbefriedigung abzielen und Vermeidungsschemata lediglich der Minimierung verletzender Erfahrungen dienen.

In der Regel sind bei Menschen beide Systeme gleichzeitig aktiviert. Nach Grawe hat dies zur Folge, dass nicht ein Bedürfnis auf Kosten anderer befriedigt wird, sondern der Organismus stets eine optimale Bilanz hinsichtlich aller aktivierten motivationalen Ziele anstrebt.

 

Motivationale Schemata als stabile Verhaltensmerkmale

Die motivationalen Schemata bildet jeder Mensch im Laufe seiner Sozialisation in unterschiedlichem Maße aus – d.h. im Unterschied zu den vier Grundbedürfnissen sind die Mittel und Wege, die zur Bedürfnisbefriedigung eingesetzt werden, individuell - und auch unterschiedlich flexibel.

Je nach Summe aller gemachten Erfahrungen und Erlebnisse können die einzelnen Schemata daher unterschiedlich stark ausgeprägt sein. So ist es denkbar, dass ein Individuum aufgrund prägender Erfahrungen besonders starke Vermeidungsziele entwickelt hat. Nach Grawe kann dies dazu führen, dass diese den Weg zur positiven Bedürfnisbefriedigung auch in Situationen verstellen, die eigentlich dafür geeignet wären, weil die Situationen eher die besser - neuronal gebahnten - vermeidenden als annähernde Tendenzen aktivieren.

Dies lässt sich an einfachen Ereignissen in Organisationen verdeutlichen:

  • Hat ein Mitarbeiter die Erfahrung gemacht, dass seine Ideen in der Regel ignoriert werden, wird er in Zukunft lieber schweigen. Dies ist zunächst ein einfacher Lernprozess, der über operante Verstärkung erklärt werden kann.
  • Verfügt dieser Mitarbeiter aufgrund seiner Sozialisation über ein Vermeidungsschema (z.B. Vermeidung von Zurückweisung wichtiger Bezugspersonen, Vermeidung von Misserfolg o.ä.), so wird er erst keine Ideen zu entwickeln versuchen, da er ja davon überzeugt ist, dass "es sich nicht lohnt".

Die Befriedigung der Grundbedürfnisse hängt somit auch davon ab, wie geeignet diese motivationale Ziele in den jeweiligen Umgebungsbedingungen sind und welche Ressourcen, wie beispielsweise Fähigkeiten - oder aber motivationale Schemata - der Person zur Verfügung stehen.

 

Schlussfolgerungen für das Verhalten

Auf der Ebene des Verhaltens werden die motivationalen Ziele mit den realen Wahrnehmungen abgeglichen. Grawe bezeichnet die Rückmeldungen darüber, inwieweit die jeweils aktivierten motivationalen Ziele erreicht oder verfehlt werden als Inkongruenzsignale. So geht Zielerreichung mit positiven Emotionen einher, Inkongruenz / Inkonsistenz mit negativen Emotionen.

  • Leistung: Das Erreichen von Zielen über die Aktivierung von Annäherungsschemata ist effektiver als die durch die Aktivierung von Vermeidungsschemata - schlicht aus dem statistischen Grund, da es mehr Möglichkeiten gibt, etwas falsch zu machen und solche Fehler zu vermeiden als Ziele direkt anzugehen. Hinzukommet, dass Vermeidungsschemat psychische Ressourcen wie Aufmerksamkeit binden: Man hält Ausschau nach dem, was schief gehen könnte und orientiert sich nicht an dem, was einem weiterbringt.
  • Gesundheit: Die Reduktion von Inkonsistenz durch die Aktivierung von Vermeidungsschemata ist zudem belastender als über Handlungen auf Basis der Aktivierung von Annäherungsschemata: Kontinuierliche oder sich häufig wiederholende Inkonsistenz kann, begleitet von negativen Emotionen, zu einer ganzen Reihe von physiologischen, hormonellen und neuronalen Reaktionen führen, die letztendlich alle in einem Stresszustand enden, der der psychischen, aber auch der physischen Gesundheit abträglich ist.

 Quelle: nach Grawe (1998)

 

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