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SCARF-Modell: Relatedness (Zugehörigkeit)


 

Unter dem Begriff der „Relatedness“ fasst David Rock das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gruppe sowie die Entscheidung zusammen, ob ein Gegenüber als Freund oder Feind zu betrachten ist. Die soziale Zugehörigkeit ist ein wichtiger Treiber von Verhalten in vielen verschiedenen Situationen. Menschen neigen dazu, Gruppen zu gründen, zu denen sie ein Zugehörigkeitsgefühl aufbauen können. Gruppen vermitteln Gefühle der Geborgenheit und dienen als Quelle der Anerkennung und Wertschätzung und können folglich als Merkmal menschlicher Existenz bezeichnet werden.

Empfindet ein Individuum keine sichere Bindung wird vom Körper eine Bedrohungsreaktion generiert, die als Gefühl der Einsamkeit beschrieben werden kann. Demzufolge wird jedes Aufeinandertreffen mit fremden Personen automatisch von Bedrohungsreaktionen begleitet, da keine Beziehung, Bindung oder soziale Zugehörigkeit vorhanden ist. So fühlen sich Menschen automatisch unsicherer, wenn sie eine unbekannte Person treffen als wenn die Person vertraut wäre. Einen wichtigen Stellenwert für die soziale Zugehörigkeit hat das Hormon Oxytocin, das im Gehirn produziert wird und in höheren Mengen mit einem verstärkt anschlussorientierten Verhalten in Verbindung gebracht wird. Schon ein Handschlag, Austausch der Namen oder ein kurzer „Small Talk“ kann das Zugehörigkeitsgefühl durch die Freisetzung von Oxytocin erhöhen. Das Konzept der Verbundenheit ist eng mit Vertrauen gekoppelt. Ordnet ein Individuum sein Gegenüber seiner eigenen sozialen Gruppe zu, erhöht sich das entgegengebrachte Vertrauen. In der Folge verstärkt sich der Wille zur Zusammenarbeit und die Transparenz der eigenen Arbeit den Kollegen gegenüber.

Auf nationaler bzw. internationaler Ebene ist Zusammenarbeit von Menschen, die sich selten oder sogar nie persönlich treffen, der Regelfall. Dies erschwert die Zusammenarbeit enorm. Aufgrund der räumlichen Distanz kann den automatischen Bedrohungsreaktionen aufgrund fehlender sozialer Zugehörigkeit nicht durch persönlichen Kontakt entgegengewirkt werden. Jedoch bieten moderne Kommunikationstechniken wie Videokonferenzen oder soziale Netzwerke Möglichkeiten, die in diesem Zusammenhang genutzt werden sollten. Dies hat zur Folge, dass sich der soziale Austausch und Kontakt am Arbeitsplatz wieder positiv auf die Arbeitsleistung auswirkt.

Obwohl neue soziale Bekanntschaften Bedrohungsreaktionen auslösen, sind Menschen bestrebt, ihre sozialen Netzwerke ständig zu erweitern. Der Schlüssel zur Steigerung von Belohnungsreaktionen in Bezug auf die soziale Zugehörigkeit sind verschiedene Möglichkeiten, die die Sicherheit von sozialen Bindungen zwischen Menschen erhöhen. Durch den Aufbau von klar definierten Partnerschaften, Mentoren- und Coachingprogrammen können innerhalb von Unternehmen Belohnungsreaktionen ausgelöst werden.

Quelle: nach Rock (2008)